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ESSAY

Warum wir unbedingt BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN wählen sollten

Annalena Baerbock hatte sowieso nie eine Chance. Auch als die Grünen in den Umfragen kurzzeitig die Union überholten, war das nur ein Signal dafür, dass man mit dem Kanzlerkandidatenstreit der Union unzufrieden war. Es gibt eine satte Mehrheit in Deutschland, die immer Union wählen wird, warum auch immer. Letztlich spielt es keine Rolle, was die Union und ihre Mitglieder verbocken oder verzapfen, früher oder später stehen sie wieder an der Spitze. Das sieht man einmal mehr an der Person Armin Laschet, aber darauf will ich gar nicht eingehen. Ich will auch nicht die Frage erörtern, ob Frau Baerbock die bessere Kanzlerin wäre. All ihre von bestimmten Medien und politischen Kontrahenten hochstilisierte Sünden sind durchaus welche, aber mal ehrlich: Wenn jemand seinen Lebenslauf schönt oder Gelder zu spät angibt, macht er / sie deshalb eine schlechtere Politik? Aber lassen wir das. Es geht bei der anstehenden Wahl nicht um Annalena Baerbock. Es geht um unsere Zukunft, und das im ganz konkreten Sinne. Die ewige Vergewaltigung der Natur durch den Menschen, die nicht nur das Thema Klima umfasst, kommt an ihre Grenzen. Wer auch immer die Politik der nächsten Jahre bestimmt, muss zusehen, dass er die Lebensgrundlage für die kommenden Generationen sichert; und damit meine ich in erster Linie das Abwenden der Klimakatastrophe, die Erhaltung der Arten usw. und nicht die Sicherung von Arbeitsplätzen und den Wirtschaftsaufschwung.

Unsere Umwelt steht kurz vor dem Kollaps. Das ist nicht neu. Neu ist, dass ein Teil der Menschheit ein Bewusstsein dafür entwickelt und spürt oder versteht, dass prompte und radikale Lösungen zur Erhaltung des Planeten notwendig sind. Es geht nicht mehr so weiter. Wer glaubt, dass es so weiter gehen kann, dass der Kohleausstieg allen Ernstes bis 2045 (!) hinausgeschoben werden kann, um nur ein Beispiel zu nennen, der müsste eigentlich, wenn er konsequent wäre, eine von zwei Maßnahmen ergreifen. Wer schon Kinder hat, müsste sich jetzt schon bei ihnen dafür entschuldigen, dass er ihnen die Grundlage für eine Zukunft verwehrt, und wer keine Kinder hat, sollte keine in die Welt setzen.

Wer glaubt, dass es so weiter gehen kann, kann guten Gewissens Union wählen. Was auch immer die Herren Laschet und Söder von sich geben, sie werden am Ende ihre Politik fortsetzen, die Wirtschaftsinteressen vor radikalen Umweltschutz stellt. Sie können gar nicht anders, sie sind es ihrer „Stammkundschaft“ schuldig. Die Union wird eh stärkste Kraft. Wer Union nicht wählt, braucht sich keine Sorgen machen, dass das Land in den nächsten vier Jahren nicht von ihr regiert wird. Die Frage des Koalitionspartners ist viel entscheidender.

Gehen wir mal alle Möglichkeiten durch. Die AfD können wir zum Glück ausklammern, in der Hinsicht können wir der Union durchaus Glauben schenken, dass sie eine Koalition ausschließt. Auch die Linke können wir vernachlässigen. Also die anderen Optionen. FDP? Wollen wir wirklich eine Partei in der Regierung, die in Sachen Umwelterhaltung und Klimaschutz darauf hofft, dass man ein Wundermittel findet, das sich nebenbei noch ökonomisch ausschlachten lässt? SPD?Wollen wir eine Fortsetzung der GroKo mit einem Juniorpartner, in der die wenigen BefürworterInnen einer konsequenten Umwelterhaltungspolitik sich nie durchsetzen konnten? Und eine sogenannte Deutschland-Koalition wäre der Worst Case. Neuauflage der GroKo plus Christian Lindner – ich möchte euch mit dem Ausmalen dieses Szenarios nicht quälen.

Bleiben nur noch die Grünen. Wenn es schon nicht Grün-Schwarz wird, sollte es Schwarz-Grün werden. Was man auch immer am Wahlprogramm der Grünen auszusetzen hat, es würde mit Schwarz-Grün eh nicht vollständig umgesetzt werden. Schlimm genug. Aber ohne die Grünen in der Regierung wird sich in Sachen Umwelt und Klima - und somit in Sachen Zukunft für die nächsten Generationen – gar nichts bewegen. Nochmal vier Jahre Status quo und Stillstand. Für mich ein Horrorszenario. Es geht wie gesagt nicht darum, wie kompetent oder sympathisch wir Annalena Baerbock finden oder ob wir die Meinungen von Toni Hofreiter oder anderen Grünen-PolitikerInnen vollständig teilen, es geht darum, ob wir eine Chance haben, als Menschheit langfristig zu überleben. Es ginge theoretisch auch ohne die Grünen. Aber das setzt radikal grüne Politik der anderen voraus. Gegenwärtig sind aber nur die Grünen bereit, eine solche umzusetzen. Kurzum: Wir müssen die Grünen nicht toll finden, aber wir brauchen sie. Unbedingt. Und zwar in der Regierung. Und dafür müssen sie stark sein, und möglichst viele Stimmen erhalten.

Deshalb rufe ich dazu auf, bei der Bundestagswahl Bündnis 90 / Die Grünen zu wählen. Und nicht nur das. Ich plädiere dafür, bei den Grünen Mitglied zu werden. Ich bin es, obwohl ich mich aktiv nicht einbringe, wenn man von diesem Essay absieht. Jedes neue Mitglied bedeutet für eine Partei, dass sie mehr Mittel zur Verfügung gestellt bekommt, so banal ist das. Und leider gilt auch für die Parteienlandschaft: Geld regiert die Welt. Wer sich über fragwürdige Großspender der Grünen aufregt, sollte wissen, dass ohne Finanzen die Grünen keine Chance im Wahlkampf hätten, selbst wenn die Baerbock eine Heilige wäre (Muss man das eigentlich in der Politik? Muss man das überhaupt? Ich habe den Eindruck, dass nur von den Grünen erwartet wird, dass ihre Spitze moralisch 100% integer ist...)

Grüne wählen und Mitglied bei den Grünen werden, das sind zwei Dinge, die jede/r von uns tun kann. Und noch ein drittes: macht so viele Menschen wie möglich auf meinen Essay aufmerksam. Nicht weil er etwa so grandios geschrieben wäre, sondern weil er hoffentlich dazu beiträgt, dass unsere Zukunft eine Chance auf grüne Politik hat und die Erde für unsere Kinder bewohnbar bleibt.

janna Kagerer

Hier die Wahlwerbespots der Leipziger Kandidatinnen:

PAULA

MARIE

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